Jakobsweg 2013 – von Jena nach Fulda

Reisebericht von meinem Wanderurlaub von Jena nach Fulda

Es heißt ja manchmal: „Der Jakobsweg beginnt an der eigenen Haustür!“. Dies habe ich nun mal aufgegriffen und bin los gepilgert, von Jena bis nach Fulda, ca. 220km.

(vom 23.03.2013 bis 31.03.2013)

Am Ende findet ihr noch ein Panoramabild.
Zum vergrößern der Bilder einfach darauf klicken (eine Fotogalerie öffnet sich).

Einige meiner Übernachtungsmöglichkeiten wurden mit Ihrer Internetseite verlinkt.


22.03.2013      Jena

Nachdem ich heute von der Arbeit kam, meinen Rucksack für die kommenden Tage gepackt ha hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt zur Touristinformation, vielleicht bekommt man ja hier auch einen Stempel.
Fehlanzeige, die nette Frau schaute mich nur verdutzt an und verwies mich an den Souvenirshop. Auch hier gab es keinen, aber man gab mir einen Tipp: „Ich solle es doch mal im Kirchenladen versuchen!“ Gesagt getan und siehe da, endlich bekam ich hier einen Stempel aus meiner Heimatstadt. Jetzt kann es losgehen.

23.03.2013      Weimar (25km)

Heute früh, gegen 8 Uhr, machte ich mich auf den Weg nach Weimar, meiner ersten Station. Eine Streckenbeschreibung fand ich übrigens auf der „tollen“ Internetseite: outdooractive.com (9. Sonntagslauf von Jena nach Weimar – Trailrunningstrecke)
Nach fast einer Stunde entlang der B7 bog der Weg links in eine Kleingartensiedlung ab. Durch diese durch und dann wieder ein kleines Stück Straße entlang , Richtung Remderoda. Etwa einen Kilometer vor dem Ort ging es dann rechts auf einen Wanderweg nach Großschwabhausen, anschließend über Feldwege nach Hohlstedt und weiter nach Kappelendorf (hier kann man eine schöne Wasserburg besichtigen). Leider gab es auf den Feldwegen nichts, was mich vor dem eiskalten Wind schützte, denn dieser zog so stark, dass ich immer wieder meinen Hut festhalten musste. Von Kappelendorf aus führte die Streckenbeschreibung nach Umpferstedt und schließlich nach Weimar, direkt zum Hauptbahnhof. Mit dem Zug ging es hier erst einmal zurück nach Jena.

 

24.03.2013      Erfurt (25km)

Um halb neun kam ich wieder mit dem Zug in Weimar an und machte mich auf, in Richtung Erfurt. Auf dem Radweg der Thüringer Städtekette lief ich über Tröbsdorf nach Hopfgarten. Über nicht öffentliche Feldwege kam ich nach Hochstedt und Linderbach. Vor Linderbach musste ich mich noch durch ein ausgestorbenes Industriegebiet (aber was anderes erwartet man ja sonnstags auch nicht) und eine Musterhaussiedlung kämpfen. Irgendwie kam ich dann doch in Erfurt an. In der Touristinformation am Hauptbahnhof fragte ich nach der Route zum Ausgustinerkloster, meiner Pilgerherberge für diese Nacht.
Dort angekommen bezog ich ein nettes kleines Zimmer. Mit Bett, Tisch und Stuhl, aber mehr braucht ein Pilger auch nicht. Abend genoss ich noch das eine oder andere Guinness im nahe gelegenen Irish Pub.

25.03.2013      Gotha (25km)

Von Erfurt führt nun endlich auch ein offizieller Teil des Jakobsweges nach Westen, der ökumenische Pilgerweg. Dieser kommt aus Görlitz (Sachsen) und geht noch weiter bis nach Vacha, kurz vor der Grenze nach Hessen.
Jedenfalls lief ich am Dom vorbei die Stadt hinaus. Bei einigen Kleingärten auf dem Brühler Hohlweg sprach mich ein älterer Herr an: „Sind Sie ein Pilger?“ Ich: „Ja, kann man so sagen!“ Wie sprachen etwas miteinander, bis sich unsere Wege wieder trennten. Über eine Wiese kam ich nach Schmira, von hier führt der Weg entlang der ehemaligen Handelsstraße Via Regia. Nach Schmira muss der Pilger die A71 passieren, zum Glück gibt es eine Brücke. Auf kilometerlangen Feld- und Waldwegen kam man über Kleinrettbach und Grabsleben nach Tüttleben. Von hier aus war es nicht mehr weit nach Gotha. Meine Unterkunft für die kommende Nacht befand sich aber leider noch am anderen Ende von Gotha, also: „Einmal durch die Stadt hindurch.“

 

26.03.2013      Eisenach (36km)

Hinaus zu kommen aus Gotha, war nicht sehr schwer, ich war ja bereits am westlichen Stadtrand. Von hier führte mich der Pilgerweg zunächst hoch auf den Kriegberg (etwas über 400m ü. NN), einem alten verlassenen Truppenübungsplatz. Über landwirtschaftlich genutzte Wege und nur selten über geteerte Straßen, ging es weiter in Richtung Mechterstädt. Mechterstädt ist über einen kleinen Umweg (ca. 1 km) zu erreichen, da ich aber keine Pause machen wollte, lief ich gleich weiter. Wenig später kam ich an einer Kreuzung an, ohne Beschilderung, ich hatte die Wahl, rechts in ein Dorf oder links in ein Industriegebiet.
Meine Wahl fiel auf links, die falsche Wahl, dass sollte sich aber erst später herausstellen. Denn an der darauffolgenden Kreuzung sah ich wieder keinen Wegweiser. Ich lief etwas zurück und fragte in einer ansässigen Metallbaufirma nach dem Weg. Der nette Mitarbeiter wies mir dann den Weg und ich kam nach einigen Minuten in Sattelstädt raus (gute 2 km weiter als Mechterstädt).
Über einen „normalen“ Wanderweg bestieg ich dann den großen Hürselberg, zum Glück hatte hier oben das Gasthaus offen und so konnte ich mich erst einmal stärken. Vor dem Gasthaus sah ich dann endlich wieder einen Wegweiser mit einer Muschel. Diesem folgte ich dann einfach wieder, über den kleinen Hürselberg kam ich nach Wurtha- Fonroda.
Von hier aus folgte ich nur den Bahngleisen und kam nach gut 1,5 Stunden direkt am Hauptbahnhof von Eisenach raus. Meine Unterkunft hatte ich im Ev.-Luth. Diakonissenhaus, ca. fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Eine sehr nette ältere Nonne zeigte mir mein Pilgerzimmer. Zu anderen Nonnen, die uns über den Weg liefen, sagte sie nur: „Schau mal ein Pilger.“ Alle konnten es kaum glauben, dass sich ein Pilger bei solch einem Wetter auf den Weg gemacht hatte.

 

27.03.2013      Oberellen (14km)

Nach einem einfachen Frühstück, früh um halbacht, gab es noch eine kleine Andacht in der hauseigenen Kapelle, welche ich gern besuchte.
Kurz vor neun Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Wartburg. Leider waren alle Fußwege hinauf, wegen Schnee und Eis gesperrt und so musste ich auf die normale Straße ausweichen. Der wunderschöne und weite Ausblick, auf das, was man bereits zu Fuß durchschritten hat, entschädigte für den harten Aufstieg. Nun folgte der Abstieg zur Sängerwiese (in Richtung der Drachenschlucht), hier trifft der Jakobsweg auf den wohl bekanntesten deutschen Wanderweg, den Rennsteig und folgt diesem einige Kilometer. Nach ca. zehn Kilometern trennten sich beide Wege wieder und mein Pilgerweg bog in Richtung Oberellen bzw. dem Gut Hütschhof ab. Hier hatte ich bereits ein Bett reserviert.

Morgen gehts über Oberellen nach Vacha, der letzten Etappe auf den ökumenischen Pilgerweg.

 

28.03.2013      Vacha/Dorndorf (27km)

Der heutige Weg meinte es nicht ganz so gut mit den Pilgern, es ging fast 20 Kilometer durch den Wald. Das Einzige was ich sah, waren einige Waldarbeiter.

Lieber würde ich nochmal die einsame Strecke nach Calzadilla de la Cueza (19 km) in Spanien laufen.

Fünf Kilometer vor Vacha gab es auch einen Wegweiser nach Dorndorf, dort befindet sich die nächste Unterkunft für mich. Ich entschloss mich aber weiter in Richtung Vacha zu wandern, ein kleiner Fehler. Als ich den Wald verließ, befand ich mich in Oberzella, einem Vorort von Vacha (nur noch ca. 1,5 km). Von hier aus kam ich dann nur noch über die Bundesstraße nach Dorndorf.
Zu allem Übel war dann hier auch noch die Heizung in der Radwanderherberge ausgefallen und wurde erst einmal nur notdürftig repariert, für eine warme Dusche reichte es aber völlig aus.

 

29.03.2013      Geisa (25km)

Als ich heute früh aufstand und die Vorhänge zur Seite zog, traute ich meinen Augen nicht, es hatte über Nacht gute 3 cm geschneit. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den 25 km Weg nach Geisa. Über die Bundesstraße ging es zurück nach Oberzella, von hier an auf einem kleinen Radweg nach Vacha.
In Vacha endet nun der ca 420km lange Pilgerweg, der aus Görlitz kommend. Von hier an verläuft nun ein Verbindungsweg nach Fulda, der (logischerweise) auch als Jakobsweg bezeichnet wird. Auch die Jakobsmuschel wird eine andere, war sie bis jetzt gelb auf blauen Untergrund, wird sie nun schwarz auf weißen Grund.
Durch die sehenswerte Altstadt hindurch verlief der Weg, weiter nach Sünna und anschließend nach Bremen. Über Wald und Feld ging es zum Schluss noch nach Geisa. In Geisa selber führt der Jakobsweg über die Ulster und biegt dann rechts ab in Richtung Point-Alpha. Das Stück kommt aber erst morgen, ich biege links ab und bezihe mein Nachtlager in einer kleinen Pension, der Geisschänke.

 

30.03.2013      Hünfeld (20km)

Da mein Plan für heute nur 20 km vorgesehen hatte, brach ich erst gegen halb zehn auf. In einem Schneeschauer stiefelte ich hinauf zum Point-Alpha, einem damaligen US-Beobachtungsstützpunkt an der Deutsch/Deutschen-Grenze. Zwei Kilometer verläuft hier der Weg an der ehemaligen Grenze entlang,bis er schließlich abbiegt und nach Raasdorf führt, der erste Ort in Hessen. Hier holte ich mir auch einen Stempel in der Stiftskirche. Durch einen Wald hindurch ging es nun nach Haselstein. Im darauffolgenden Waldabschnitt verlor ich plötzlich die Muschelwegweiser, bzw. es waren gar keine mehr da. So kam ich in Großenbach raus, ein ganzes Stück nördlich von eigentlichem Weg. Auf einen Radweg lief ich noch etwas mehr als eine Stunde nach Hünfeld.
Relativ schnell fand ich mein letztes Nachtlager dieser Wanderwoche, dass Bonifatiuskloster. Hier wird den Pilgern, gegen eine kleine Spende, ermöglicht zu nächtigen und man bekommt sogar eine sehr gute Verpflegung.

 

31.03.2013      Fulda (26km) – Ostersonntag

Der letzte Tag. Nach dem sehr guten Frühstück im Kloster brach ich auf meine letzten 25 km auf.
Auf dem Weg kam ich zuerst nach Rückers, dann nach Steinau und letztlich nach Petersberg. Petersberg ist zwar mit Fulda zusammenbebaut, aber trotzdem eine eigenständige Gemeinde. Der Jakobsweg verläuft hier noch über die Kirche St. Peter und dann den Berg hinab direkt auf den Vorplatz des Doms von Fulda.
Vor hier aus laufe ich dann im Herbst weiter.
Am späten Nachmittag ging es für mich, mit dem Zug, wieder zurück nach Hause.

 

 

Schlusswort:

Die letzten 9 Tage waren einige der schönsten Wandertage, das Wetter hat zwar nicht immer gepasst, aber es musste ja weiter gehn.
So wie jetzt mein Plan derzeit ist, werde ich im Herbst noch eine Woche von Fulda nach Mainz wandern.

Mein Pilgerausweiß nach diesen 9 Tagen:

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Ende

Hier nun noch das versprochene Panoramabild:


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